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Kronen Zeitung

vor 2 Stunden
SK Austria KlagenfurtKärnten

GLÄUBIGER ZITTERN

„Dolly Buster!“ Austrias Insolvenz-PK war skurril

Claudio Trevisan

Dolly Buster, Haargel und eine Haube! Zum Lachen ist den 42 Gläubigern im Insolvenzverfahren der Austria Klagenfurt derzeit sicher nicht. Die Neo-Bosse um Gesellschafter Zeljko Karajica allerdings lieferten eine teils skurrile Pressekonferenz ab. Der Rekurs wird eingeleitet, der Wirtschaftsprüfer erklärt die Sachlage. 


„Ich dachte, wir sind bei der versteckten Kamera – da will uns jemand häkeln“, berichtet Helmut Kaltenegger, nun Neo-Hauptsponsor und Neo-Präsident der Austria Klagenfurt, von seinen ersten Gedanken nach der gestrigen Eröffnung des Konkursverfahrens (siehe Bericht unten) gegen den Zweitligisten. . .

Versteckte Kamera. . .
An versteckte Kameras dachte wohl auch der Großteil der Gäste, die zur freitägigen Pressekonferenz der Waidmannsdorfer antanzten. Die PK war ursprünglich ja dafür gedacht gewesen, die Neuausrichtung des Klubs – dank der Finanzspritze von Goldhändler Kaltenegger – zu präsentieren. Stattdessen musste man zum eingeleiteten Insolvenzverfahren Stellung nehmen – was dann zu einer Sitcom mutierte.

Bild: Josef Kuess

Tube Haargel
Denn Ex-Profi Matthias Dollinger, der als Mitglied der Geschäftsführung vorgestellt wurde, übergab Kaltenegger skurrilerweise ganz offiziell eine Tube Haargel sowie eine „Eisbär“-Mütze am Podium. „Helmut, du hast ja gesagt, du willst auf meine Frisur das Patent haben. . .“

"Was Witziges noch: Lieber Helmut, du hast gesagt, dass du das Patent auf meine Frisur haben willst. Das Leben geht weiter. Alles Gute in Klagenfurt. "DOLLINGER überreichte KALTENEGGER Haube und Haargelfan.at quote icon

Fans durften nicht rein
Weiters betonte Dollinger auch: „Wir brauchen jetzt ein Wir-Gefühl. Da gehören auch die Fans dazu!“ Zwei Anhängern wurde der Eintritt zur PK aber verwehrt. Seine Pläne? „Sollte alles wieder passen, werden wir einen tollen Wirtschaftsbeirat gründen – mit 20 bis 25 Top-Unternehmern. Viele werden da Augen machen.“ Ein solcher Beirat war von der Austria bereits im Vorjahr angekündigt worden. . .

Bild: Josef Kuess

Gesellschafter putzt sich ab
Gesellschafter Zeljko Karajica zeigte sich in erster Linie – trotz steter Skandale wie etwa Klagen und Zahlungsverzüge – alles andere als selbstkritisch. „Wir haben in den letzten Wochen gute Arbeit geleistet, die Hausaufgaben gemacht. Die Nachricht hat eingeschlagen wie eine Bombe“, erklärte Karajica, der kaum ein Wort über die insgesamt 42 Gläubiger verlor.

Bild: Josef Kuess

Stattdessen putzte sich Karajica ab: „Es hat mit unseren Investorengesprächen leider länger gedauert als angenommen. Aber es ist auch nicht einfach, in so einem Prozess, der negativ von der Presse begleitet wird, Sponsorengespräche abzuschließen. Wir sind nun jedenfalls finanziell voll handlungsfähig, haben alle Mittel aufgestellt.“

"Dolly Buster! Der Dolli kommt und basta! Viele sagen ja, der Kaltenegger sei ein Träumer – bin ich auch. Aber ich habe die größte Goldfirma hingestellt. "Helmut KALTENEGGER über sich und Matthias DOLLINGERfan.at quote icon

„Spielen weiter“
Der Spielbetrieb sei laut dem Deutsch-Kroaten gesichert. „Wir werden diese Saison weiterspielen und Voraussetzungen schaffen, dass wir für die nächste die Zulassung erlangen.“ Sollte das Konkursverfahren rechtsgültig werden, wäre der Abstieg mit Saisonende fix. Bei einer Einstellung des Betriebs würden sämtliche Austria-Ergebnisse in dieser Saison annulliert werden.

1,4 Millionen Euro bereitgestellt
Robert Micheu wurde als Präsident indes abgesetzt, Kaltenegger übernimmt – zudem erhält der Neo-Sponsor 35 Prozent Anteile an der Austria GmbH. 800.000 Euro (zu den 600.000 Euro aus einer früheren Vereinbarung) seien vom Unternehmer dafür geflossen.

Bild: Alpen-Adria Steuerberatung

Wirtschaftsprüfer über Rekurs
Wie es nun weitergeht? „Wir legen Einspruch ein“, so Karajica. 14 Tage hat man für den Rekurs Zeit. Austria-Wirtschaftsprüfer Ulrich Kraßnig ist zurückhaltend optimistisch: „Die Richterin war sehr geduldig, die 800.000 € von Kaltenegger kamen wohl zu spät – eine zeitlich unglückliche Überschneidung. Denn das Finanzamt hatte sich bereit erklärt, mit Ratenzahlungen entgegenzukommen. Ich hoffe, dies alles wird im Zuge des Rekurses gewürdigt.“

Das Ganze wird dann am Oberlandesgericht Graz entschieden.

Bild: Krone

Die „Krone“ saß am Freitag-Vormittag jedenfalls noch gemütlich mit Austria-Cheftrainer Slobodan Grubor im Cafe „Die Tänzerei“ in der Klagenfurter Schleppekurve. Die Themen: Die sportliche Ausrichtung und die um 13 Uhr steigende Pressekonferenz, bei der die Fortführung des Klubs durch „Retter“ Helmut Kaltenegger verlautbart werden soll. Beim Zahlen der Rechnung aber wurde „Bobby“ kreidebleich – als die Meldung zur Eröffnung des Konkursverfahrens eintrudelte.

Bild: AHP Rechtsanwälte

Richterin Gudrun Slamanig hatte die Frist schon bis aufs maximal Legale ausgereizt, Gesellschafter Zeljko Karajica & Co. ließen sich trotzdem zu lange Zeit. Der Deutsch-Kroate kennt sich mit Insolvenzverfahren übrigens aus: Aktuell läuft eines gegen seine Football-Liga ELF – da allerdings in Eigenverwaltung. Bei Violett hat nur noch Michael Pontasch-Müller das Sagen – dass sein Herz als Ex-Handballer (er war auch Chef des einstigen HC Kärnten) für den Sport schlägt, bringt der Austria nichts. Er muss im Interesse der Gläubiger handeln. Kaltenegger jedenfalls würde auch im Abstiegsfall bleiben wollen: „Geht’s in die Landesliga, verlieren wir halt zwei Jahre.“

Kärnten nähert sich nun jedenfals dem Konkurs-„Hattrick“. Nach dem Untergang des FC Kärnten 2008 und der Austria Kärnten 2010 ist’s schon der dritte Fußball-Konkurs in nur 18 Jahren. Jener von Violett ist aber eben noch nicht rechtskräftig.


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